“Hart aber Fair“ Sendung vom 23.01.2023

Cannabis nun endlich bald legal? – Der Experten-Check

“Saufen normal, Kiffen bald legal: Ist Deutschland auf dem falschen Trip?” – Das war das Thema am Montagabend (23.01.2023) bei “Hart aber Fair” (ARD) u.a. mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU). Weitere Gäste waren die Journalistin Nathalie Stüben, die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Sabine Ahrens-Eipper und der Musiker Curly. Wir haben für Euch die Fakten gecheckt!






Verfasst von: Sarah Medla

Lesezeit: 8 Minuten

Veröffentlicht am: 27.01.2023

Verfasst von: Sarah Medla

Lesezeit: 8 Minuten

Veröffentlicht am: 27.01.2023


Welche Droge ist wirklich gefährlich?


In der aktuellen Folge von “Hart aber Fair” ging es um die zwei wohl bekanntesten Drogen: Alkohol und Cannabis – das eine ist legal, das andere soll laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach legal werden. In der Sendung wurde mit den Gästen angeheizt darüber diskutiert, wie der Stand der aktuell geplanten Cannabis-Legalisierung aussieht und welche Gefahren diese hätte.

Wir haben für euch die wichtigsten Punkte einmal analysiert und zusammengefasst.

Übrigens: Wer die Sendung verpasst hat, kann sie hier in der ARD-Mediathek nachschauen.

Kurze Zusammenfassung vom Anfang der Sendung: Durchschnittlich 11 Kästen Bier, 28 Flaschen Wein, 4 Flaschen Sekt und 5 Liter Schnaps trinken Deutsche pro Person in einem Jahr. Dennoch gibt es einen gesellschaftlichen Wandel, denn der Alkoholkonsum geht seit Jahren weiter zurück.

>Nach einer kurzen Diskussion, ob es nicht sogar teilweise gesund sei, ab und zu Alkohol in Maßen zu trinken und wo die Grenze zwischen Genuss und Missbrauch liegt (hier hat CSU-Politiker Blume übrigens auf den allgemeinen Trend zu einem verantwortungsbewussteren Alkoholkonsum hingewiesen), geht das Gespräch recht schnell auf das Thema Cannabis-Legalisierung über. Denn sowohl bei Alkohol als auch bei Cannabis spielt das Thema Prävention und Kinder- sowie Jugendschutz während der Talkrunde immer wieder eine wichtige Rolle.

Wie bei der vorangegangen Diskussion über mögliche Gesundheitsrisiken bei Alkohol gibt es auch bei dem Thema Cannabis unterschiedliche Meinungen – insbesondere zwischen Karl Lauterbach (SPD) und Markus Blume (CSU): Der eine möchte Cannabis legalisieren, der andere möchte es weiterhin verbieten. Beide mit der gleichen Begründung – weil es gefährlich ist.



INHALTSVERZEICHNIS


Welche Droge ist wirklich gefährlich?

Die wichtigsten zwei Argumentationsthemen

Was passiert eigentlich mit den Medizinalcannabis-Patient:innen bei einer Legalisierung?

Und wann soll die Legalisierung nun kommen?

Quellen

Die wichtigsten zwei Argumentationsthemen


1. Lauterbach spricht von “Multi-Abhängigkeiten” und toxische Dosen

Der illegale Verkauf von Cannabis bringt aktuell insbesondere Kinder und Jugendliche leichter in Berührung mit anderen härteren Drogen und Dealer versuchen, Sucht-Abhängigkeiten zu schaffen. Dadurch werden “Multi-Abhängigkeiten” gefördert.

Lauterbach sagt mehrmals, dass Straßen-Cannabis in toxischen Dosen abgegeben wird. Hier verweist er auf (zu) hohe THC-Werte und man kann annehmen, dass auch auf einen unsauberen Anbau Bezug genommen wird. Illegal angebautes Cannabis unterliegt keinen Qualitätsanforderungen. Dadurch gelangen nicht nur leicht Schimmel, Pilze oder andere gefährliche Stoffe in das Cannabis, sondern es wird auch durch synthetische Cannabinoide “behandelt”. Diese können schlimmstenfalls lebensbedrohlich sein.

Wie kann dagegen vorgegangen werden?

Legal angebautes Cannabis muss deshalb die höchsten Sicherheitsstandards wie z. B. die GMP-Standards aufweisen. Mehr Informationen zum Thema GMP und warum es auch für den Freizeitmarkt wichtig ist, findet ihr auf unserer Website.

2. Lauterbach über einen deutschen Anbau und dem Online-Handel-Verbot

Der Bundesgesundheitsminister spricht ebenfalls über den geplanten Anbau und Vertrieb. Auf einem legalem Cannabismarkt soll nur in Deutschland angebautes Cannabis verkauft werden dürfen. Wie das bei einer schon jetzt für den medizinischen Markt benötigten Menge von knapp 7 Tonnen pro Jahr ermöglicht werden soll, lässt er offen. Dazu kommt, dass der illegale Markt nach Schätzungen des Deutschen Hanfverbandes bereits heute zwischen 200 und 400 Tonnen Cannabis in Deutschland absetzt. Denn Fakt ist, dass die in Deutschland anbauenden Unternehmen aktuell gerade einmal 2,6 Tonnen davon abdecken.

Auch soll zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ein Online-Versandhandel untersagt werden und Cannabis lediglich in lizenzierten Fachgeschäften erworben werden können. Insbesondere die Versorgung in den ländlichen Regionen Deutschlands wird dadurch deutlich erschwert und der Schwarzmarkt könnte sich auf diese Regionen verlagern. Bereits heute kann medizinisches Cannabis sicher und jugendschutzkonform online in Apotheken bestellt und  per Post sowie Ident-Check an der Haustür verschickt werden.


Was passiert eigentlich mit den Medizinalcannabis-Patient:innen bei einer Legalisierung?


Bei all den wichtigen Punkten wurde eine Gruppe, die zwingend auf Cannabis angewiesen ist, in der Diskussionsrunde so gut wie gar nicht angesprochen: Medizinalcannabis-Patient:innen.

Leider wurde es von allen Beteiligten verpasst, ein klares Statement zu setzen, dass im Falle einer Legalisierung die Versorgung des medizinischen Marktes Vorrang haben und für alle Patient:innen ihre Cannabis-Therapie gewährleistet sein muss. Denn es hat momentan den Anschein, dass Cannabis-Patient:innen in der gesamten Legalisierungs-Diskussion zu wenig Beachtung geschenkt bekommen.

Dazu kommt, dass der G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) weitere Hürden für Medizinalcannabis-Patient:innen schaffen möchte, die durch eine Legalisierung eine noch weitreichendere Verschlechterung für Patientinnen und Patienten bedeuten würden. So sollen einerseits strengere Grenzen für eine Kostenübernahme für Cannabis-Arzneimittel eingeführt werden und zum anderen die Verordnung von Cannabisblüten nur unter besonderen Voraussetzungen erfolgen.

Mediziner:innen haben dadurch bereits jetzt die berechtigte Sorge, dass Cannabisblüten ein reines Freizeitmarkt-Produkt werden und dass Privatzahlerpatient:innen sich in einem legalen Markt ohne entsprechende medizinische Beratung selbst therapieren. Denn auch wenn die Verkaufspreise für legales Cannabis auf Schwarzmarktniveau angeboten werden, könnten viele so die oft hohen Arzt- und Therapiekosten einsparen.

Eine mögliche Lösung wäre es, Cannabis über Apotheken zu verkaufen. Hier kann eine medizinische Beratung und ausreichende Erfahrung seitens der Apotheken gewährleistet werden. Daneben muss auch bei einer Legalisierung gesetzlich gewährleistet werden, dass allen Cannabis-Patient:innen sämtliche Darreichungsformen in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.


Und wann soll die Legalisierung nun kommen?


Wenn es auf eine Frage viele ausweichende Antworten gab, dann sicherlich zu dieser. Immer wieder verweist Lauterbach auf viele andere Projekte und Gesetze, die kommen sollen und auf die Frage von Markus Blume, wie das Problem mit geltendem EU-Recht gelöst werden soll, gab es auch keine zufriedenstellende Antwort. Die bereits  angekündigten nächsten Schritte bis Ende März 2023 sind ein Gesetzesentwurf sowie ein wissenschaftliches Gutachten. In dem Gutachten sollen die Auswirkungen einer Cannabis-Legalisierung erläutert werden, um die Europäische Kommission zusätzlich durch wissenschaftlich untermauerte Argumente zur Notifizierung zu überzeugen.

Wir können festhalten: Eine wirkliche Antwort, wann (und ob überhaupt) eine Legalisierung kommt, gab es auch am Montagabend nicht. Denn es scheint, dass viele Themen zwar im ersten Gedankengang feststehen, führt man diese allerdings weiter, ergeben sich viele offene Fragen, auf die es momentan noch keine zufriedenstellenden Lösungen gibt.






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