Ein- und Durchschlafstörungen können deine Erholung, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Hinter den Beschwerden können vorübergehender Stress, ungünstige Schlafgewohnheiten, körperliche oder psychische Erkrankungen sowie andere Schlafstörungen stehen. In diesem Beitrag erfährst du, wie sich Schlafprobleme einordnen lassen, wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist und welche Rolle medizinisches Cannabis nach aktuellem Wissensstand spielen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Gelegentlich schlechter Schlaf ist noch keine Insomnie. Entscheidend sind auch die Beschwerden am Tag.
- Stress, psychische oder körperliche Erkrankungen, Schmerzen und Medikamente können den Schlaf beeinträchtigen.
- Halten die Beschwerden länger an, solltest du sie ärztlich abklären lassen. Ein Schlaftagebuch kann dabei helfen.
- Behandlung: Bei chronischer Insomnie gilt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) als erste Wahl.
- Die Studienlage zu Medizinischem Cannabis ist bislang begrenzt. Nutzen und Risiken müssen daher individuell ärztlich beurteilt werden.
- Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung durch Ärzt:innen.
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Was sind Ein- und Durchschlafstörungen?
Bei einer Einschlafstörung brauchst du regelmäßig lange, um nach dem Zubettgehen einzuschlafen. Eine Durchschlafstörung liegt vor, wenn du nachts wiederholt oder über längere Zeit wach bist und nur schwer erneut einschläfst. Auch ein sehr frühes morgendliches Erwachen kann zu den typischen Beschwerden einer Insomnie gehören.
Kurze Wachphasen während der Nacht sind zunächst normal und werden häufig gar nicht bewusst wahrgenommen. Medizinisch relevant werden Schlafprobleme vor allem dann, wenn du mit deinem Schlaf unzufrieden bist und tagsüber unter den Folgen leidest. Dazu zählen beispielsweise Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit oder eine verringerte Leistungsfähigkeit. Für die Einordnung ist deshalb nicht nur wichtig, wie viele Stunden du schläfst, sondern auch, wie erholsam du deinen Schlaf erlebst und wie es dir am nächsten Tag geht.
Akute und chronische Schlafstörungen unterscheiden
Akute Schlafprobleme entstehen häufig im Zusammenhang mit belastenden Ereignissen, Krankheit, Reisen, Schichtwechseln oder Veränderungen im Alltag. Sie können sich wieder bessern, sobald der Auslöser nachlässt. Trotzdem solltest du frühzeitig gegensteuern, damit sich ungünstige Verhaltensmuster und die Sorge vor der nächsten schlechten Nacht nicht verfestigen.
Bei einer chronischen insomnischen Störung treten die Beschwerden nach den Kriterien der ICD-11 mindestens mehrmals pro Woche über mindestens drei Monate auf. Zusätzlich müssen sie mit Unzufriedenheit über den Schlaf und Beeinträchtigungen am Tag verbunden sein. Eine Diagnose stellen Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen jedoch nicht allein anhand einer festen Minuten- oder Stundenangabe, sondern auf Grundlage deiner gesamten Symptomatik und Krankengeschichte. Auch kürzer bestehende Beschwerden können behandlungsbedürftig sein, wenn sie dich stark belasten.
Ursachen von Ein- und Durchschlafstörungen
Schlafstörungen haben selten nur einen einzigen Grund. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Ein konkreter Auslöser stört zunächst den Schlaf, während Sorgen, unregelmäßige Bettzeiten oder lange Wachphasen im Bett das Problem anschließend aufrechterhalten. Eine sorgfältige Ursachenklärung ist deshalb wichtiger als eine rein symptomatische Behandlung.
Psychische Belastungen und anhaltende innere Anspannung
Stress, Sorgen und Ängste erhöhen die körperliche und gedankliche Aktivierung. Wenn dein Nervensystem auch am Abend in Alarmbereitschaft bleibt, fällt das Einschlafen schwerer. Wachst du nachts auf, kann ein Gedankenkarussell verhindern, dass du wieder zur Ruhe kommst. Mit der Zeit kann zusätzlich die Angst entstehen, erneut nicht schlafen zu können. Dadurch wird das Bett zunehmend mit Anspannung statt mit Erholung verbunden.
Auch Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörungen gehen häufig mit verändertem Schlaf einher. Bei Depressionen kann insbesondere ein frühes morgendliches Erwachen auftreten. Schlafstörung und psychische Belastung können sich gegenseitig verstärken, weshalb beide Beschwerden in der Diagnostik berücksichtigt und gegebenenfalls parallel behandelt werden sollten.
Körperliche Erkrankungen und andere Schlafstörungen
Chronische Schmerzen, Atemwegs- und Herzerkrankungen, hormonelle Störungen, Reflux oder neurologische Erkrankungen können den Schlaf wiederholt unterbrechen. Bei einer obstruktiven Schlafapnoe führen nächtliche Atemaussetzer zu kurzen Weckreaktionen. Typische Hinweise sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atempausen, morgendliche Kopfschmerzen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit.
Beim Restless-Legs-Syndrom entsteht vor allem in Ruhe ein unangenehmer Bewegungsdrang in den Beinen, der sich durch Bewegung vorübergehend bessert. Auch nächtlicher Harndrang, Hitzewallungen oder Schmerzen können Durchschlafstörungen begünstigen. In solchen Fällen reicht es nicht aus, nur den Schlaf zu behandeln. Entscheidend ist auch die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung.
Medikamente, Genussmittel und der Schlaf-Wach-Rhythmus
Koffein, Nikotin und Alkohol können die Schlafqualität beeinträchtigen. Alkohol macht zwar zunächst müde, kann aber in der zweiten Nachthälfte zu unruhigerem Schlaf und häufigeren Wachphasen führen. Auch Cannabis kann den Schlaf bei regelmäßigem Konsum oder während eines Entzugs verschlechtern. Bei Koffein unterscheiden sich Abbaugeschwindigkeit und Empfindlichkeit deutlich, weshalb selbst ein Kaffee am Nachmittag bei manchen Menschen den Nachtschlaf stören kann.
Bestimmte Medikamente können ebenfalls Schlafprobleme auslösen oder verstärken. Dazu gehören je nach Wirkstoff beispielsweise anregende Präparate, einige Kortisonpräparate oder entwässernde Medikamente bei später Einnahme. Setze verordnete Arzneimittel jedoch niemals eigenständig ab. Ärzt:innen oder Apotheker:innen können prüfen, ob der Einnahmezeitpunkt, die Dosierung oder ein Wirkstoff mit deinen Beschwerden zusammenhängt.
Unregelmäßige Schlafzeiten, Schichtarbeit, Jetlag und zu wenig Tageslicht können zusätzlich den zirkadianen Rhythmus verschieben. Dann passen innere Uhr, gewünschte Schlafenszeit und tatsächliche Müdigkeit nicht mehr gut zusammen.
Ein- und Durchschlafstörungen in den Wechseljahren
In den Wechseljahren können hormonelle Veränderungen den Schlaf indirekt beeinflussen. Nächtliche Hitzewallungen und Schweißausbrüche führen häufig zu Wachphasen. Gleichzeitig können Stimmungsschwankungen, Sorgen oder körperliche Beschwerden das Ein- und Wiedereinschlafen erschweren. Nach der Menopause steigt zudem bei manchen Patient:innen das Risiko für schlafbezogene Atmungsstörungen.
Schlafprobleme in dieser Lebensphase sollten deshalb nicht vorschnell allein den Hormonen zugeschrieben werden. Eine ärztliche Abklärung kann klären, ob Wechseljahresbeschwerden, eine Insomnie, Schlafapnoe, Medikamente oder mehrere Faktoren beteiligt sind und welche Behandlung geeignet ist.
Symptome und Folgen von Ein- und Durchschlafstörungen
Typische nächtliche Symptome sind langes Wachliegen vor dem Einschlafen, häufiges Aufwachen, Schwierigkeiten beim Wiedereinschlafen und ein zu frühes Erwachen. Manche Patient:innen schlafen objektiv länger, als sie selbst wahrnehmen, erleben den Schlaf aber dennoch als leicht, unruhig oder nicht erholsam. Auch die zunehmende Beschäftigung mit dem Schlaf, häufiges Kontrollieren der Uhr und die Sorge vor dem nächsten Tag können zur Symptomatik gehören.
Am Tag können Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Reizbarkeit sowie eine verminderte Belastbarkeit auftreten. Nicht jede Person mit Insomnie schläft tagsüber tatsächlich ein. Häufig besteht vielmehr ein Gefühl ausgeprägter Erschöpfung, obwohl ein Nickerchen trotz Gelegenheit nicht gelingt. Halten die Beschwerden an, können sie die berufliche Leistungsfähigkeit, soziale Beziehungen, Stimmung und Lebensqualität beeinträchtigen.
Insomnie und Hypersomnie sind nicht dasselbe
Eine Insomnie ist durch Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, frühes Erwachen oder nicht erholsamen Schlaf mit Beeinträchtigungen am Tag gekennzeichnet. Bei einer Hypersomnie steht dagegen eine übermäßige Schläfrigkeit im Vordergrund. Betroffene schlafen nachts möglicherweise ausreichend lang und haben dennoch einen starken Schlafdrang oder schlafen tagsüber ungewollt ein.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Ursachen und Behandlungen verschieden sind. Ausgeprägte Tagesschläfrigkeit kann beispielsweise mit Schlafapnoe, Narkolepsie, Medikamenten oder anderen Erkrankungen zusammenhängen und sollte ärztlich untersucht werden.

Diagnostik: Wann solltest du professionelle Hilfe suchen?
Du solltest deine Schlafprobleme ärztlich abklären lassen, wenn sie über mehrere Wochen bestehen, regelmäßig auftreten oder deinen Alltag deutlich beeinträchtigen. Warte nicht erst drei Monate, wenn du unter starker Tagesmüdigkeit, Leistungseinbrüchen oder erheblichem Leidensdruck leidest. Zeitnaher Untersuchungsbedarf besteht außerdem bei beobachteten Atemaussetzern, ausgeprägtem Bewegungsdrang in den Beinen, ungewolltem Einschlafen am Tag oder wenn du wegen Müdigkeit dich selbst oder andere gefährden könntest.
Auch depressive Symptome, starke Ängste oder Gedanken, dir etwas anzutun, erfordern rasche professionelle Hilfe. In einer akuten psychischen Krise solltest du den Notruf oder einen psychiatrischen Krisendienst kontaktieren.
So läuft die ärztliche Abklärung ab
Zu Beginn steht eine ausführliche Anamnese. Dabei geht es unter anderem um Art und Dauer der Beschwerden, Schlafzeiten, Tagesfolgen, Vorerkrankungen, Medikamente, Substanzkonsum und mögliche Hinweise auf andere Schlafstörungen. Ein Schlaftagebuch über 7 bis 14 Tage kann zeigen, wann du ins Bett gehst, wie lange du ungefähr wach liegst, wie häufig du aufwachst und wie du dich tagsüber fühlst.
Eine Untersuchung im Schlaflabor ist bei einer typischen Insomnie nicht automatisch erforderlich. Sie kann jedoch sinnvoll sein, wenn ein Verdacht auf Schlafapnoe, periodische Beinbewegungen oder andere Schlafstörungen besteht, die Insomnie trotz Behandlung anhält oder eine besondere Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt. Wearables können persönliche Trends sichtbar machen, ersetzen aber keine medizinische Diagnose und schätzen Schlafdauer und Wachphasen nicht immer zuverlässig ein.
Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen
Die passende Behandlung richtet sich nach Ursache, Dauer und Schwere der Beschwerden. Liegt eine körperliche oder psychische Erkrankung zugrunde, sollte sie mitbehandelt werden. Gleichzeitig kann eine gezielte Insomniebehandlung sinnvoll sein, weil sich Schlafprobleme auch nach Besserung des ursprünglichen Auslösers verselbstständigen können.
Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als erste Wahl
Es wird die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, kurz KVT-I, als erste Behandlungsoption für Erwachsene mit Insomnie empfohlen. Sie verbindet Wissen über Schlaf mit konkreten verhaltensbezogenen und kognitiven Methoden. Dazu gehören Stimuluskontrolle, eine individuell angepasste Begrenzung der Bettzeit, Entspannungsverfahren sowie der Umgang mit belastenden Gedanken und unrealistischen Erwartungen an den Schlaf.
Ziel ist nicht, Schlaf zu erzwingen. Du lernst vielmehr, schlaffördernde Bedingungen herzustellen, den Zusammenhang zwischen Bett und Wachsein zu lösen und den Schlafdruck wieder sinnvoll zu nutzen. Die KVT-I kann als Einzel- oder Gruppentherapie sowie in geeigneten digitalen Formaten angeboten werden. Eine Bettzeitrestriktion sollte fachlich begleitet werden, weil sie vorübergehend die Müdigkeit erhöhen kann und nicht für jede Person gleichermaßen geeignet ist.
Schlafhygiene unterstützt die Behandlung
Ein stabiler Tages- und Nachtrhythmus erleichtert es der inneren Uhr, Schlaf und Wachheit zu koordinieren. Hilfreich sind möglichst regelmäßige Aufstehzeiten, ausreichend Tageslicht am Morgen und körperliche Aktivität während des Tages. Koffein solltest du abhängig von deiner Empfindlichkeit ab dem Mittag oder frühen Nachmittag vermeiden.
Gestalte dein Schlafzimmer ruhig, dunkel und angenehm temperiert. Nutze das Bett möglichst nur zum Schlafen und für Intimität. Wenn du längere Zeit wach und zunehmend angespannt bist, kann es sinnvoll sein, kurz aufzustehen und erst bei erneuter Müdigkeit zurückzukehren. Helles Licht und aktivierende Inhalte am Abend solltest du reduzieren. Entscheidend ist dabei nicht nur das blaue Licht eines Bildschirms, sondern auch, ob dich Inhalte emotional oder gedanklich aufwühlen.
Schlafhygiene schafft eine gute Grundlage, ersetzt bei chronischer Insomnie aber keine KVT-I. Versuche außerdem nicht, jede schlechte Nacht durch sehr frühes Zubettgehen, langes Ausschlafen oder ausgedehnte Nickerchen auszugleichen. Das kann den Schlafdruck am folgenden Abend verringern und den Kreislauf aufrechterhalten.
Medikamente nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung
Wenn eine KVT-I nicht ausreichend wirkt, vorübergehend nicht verfügbar oder nicht durchführbar ist, können Ärzt:innen gemeinsam mit dir eine medikamentöse Behandlung erwägen. Welcher Wirkstoff infrage kommt, hängt unter anderem von Alter, Begleiterkrankungen, anderen Medikamenten und dem konkreten Schlafproblem ab.
Schlaffördernde Medikamente können Nebenwirkungen wie Benommenheit, Stürze, Gedächtnisprobleme oder eingeschränkte Fahrtüchtigkeit verursachen. Bei einigen Wirkstoffen besteht zudem ein Risiko für Toleranzentwicklung und Abhängigkeit. Auch sedierende Antidepressiva sind nicht automatisch die passende Wahl und sollten nur nach ärztlicher Prüfung eingesetzt werden. Nimm verschreibungspflichtige oder frei verkäufliche Schlafmittel deshalb nicht dauerhaft auf eigene Faust ein und kombiniere sie nicht eigenständig mit Alkohol, Cannabis oder anderen dämpfenden Substanzen.
Medizinisches Cannabis bei Ein- und Durchschlafstörungen
Cannabis und einzelne Cannabinoide werden im Zusammenhang mit Schlafstörungen intensiv diskutiert. Die bisherige Evidenz erlaubt jedoch keine pauschale Aussage, dass medizinisches Cannabis Ein- oder Durchschlafstörungen zuverlässig verbessert. Viele Studien sind klein, untersuchen unterschiedliche Präparate und Dosierungen oder beziehen Patient:innen ein, deren Schlafprobleme im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen oder anderen Erkrankungen stehen. Ergebnisse lassen sich deshalb nur eingeschränkt auf eine primäre Insomnie übertragen.
Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zur Schlafarchitektur kommt zu dem Ergebnis, dass Cannabis Schlafdauer, Einschlafzeit, Wachphasen, Schlafeffizienz und Schlafstadien nicht konsistent verändert. Ob ein cannabinoidhaltiges Arzneimittel im Einzelfall vertretbar ist, können nur behandelnde Ärzt:innen nach sorgfältiger Diagnostik entscheiden.
THC und CBD wirken unterschiedlich
Tetrahydrocannabinol, kurz THC, wirkt psychoaktiv und kann Müdigkeit hervorrufen. Einzelne Patient:innen berichten über schnelleres Einschlafen oder weniger schmerzbedingte Wachphasen. Diese subjektiven Effekte sind jedoch nicht gleichbedeutend mit einer dauerhaft verbesserten Schlafqualität. Bei regelmäßiger Einnahme kann sich eine Toleranz entwickeln, nach Reduktion oder Absetzen können vorübergehend Schlaflosigkeit und lebhafte Träume auftreten.
Cannabidiol, kurz CBD, ist nicht berauschend. Es wird häufig als beruhigend beschrieben, doch die klinischen Daten zur gezielten Behandlung einer Insomnie sind noch begrenzt und uneinheitlich. CBD ist daher nicht grundsätzlich als Schlafmittel anzusehen. Wie ein Präparat wirkt, hängt nicht nur von THC oder CBD ab, sondern auch von Dosis, Verhältnis der Cannabinoide, Einnahmeform, Begleitmedikation, Grunderkrankung und individueller Empfindlichkeit.
Bei inhalativen Darreichungsformen setzt die Wirkung in der Regel schneller ein und lässt sich zeitlich früher beurteilen. Oral eingenommene Präparate wie Kapseln oder ölige Lösungen wirken meist verzögert, dafür häufig länger. Der genaue Wirkungseintritt kann unter anderem durch Mageninhalt, Stoffwechsel und Zusammensetzung des Präparats variieren.
Diese Unterschiede machen eine eigenständige Dosierung riskant. Eine zu frühe erneute Einnahme bei oralem Cannabis kann zu einer unerwartet starken oder lang anhaltenden Wirkung führen. Wenn medizinisches Cannabis ärztlich verordnet wird, solltest du dich genau an den individuellen Einnahmeplan halten und Änderungen mit deinen Ärzt:innen abstimmen.
Risiken und Nebenwirkungen beachten
Mögliche unerwünschte Wirkungen cannabinoidhaltiger Arzneimittel sind Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, verlangsamte Reaktion, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. THC kann außerdem Unruhe, Angst oder paranoide Gedanken auslösen und ist bei bestimmten psychischen Vorerkrankungen besonders kritisch zu beurteilen.
Bei längerfristiger THC-Anwendung sind Toleranz, Abhängigkeit und Entzugssymptome möglich. Wechselwirkungen können insbesondere mit Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln auftreten. Nach der Einnahme kann die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sein. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Jugendlichen ist eine besonders strenge medizinische Bewertung erforderlich.
Wenn du medizinisches Cannabis wegen Schlafproblemen in Betracht ziehst, sollte zuerst geklärt werden, welche Ursache deine Beschwerden haben.
Fazit: Ein- und Durchschlafstörungen gezielt behandeln
Ein- und Durchschlafstörungen können durch Stress, Erkrankungen, Schmerzen, Medikamente oder ungünstige Schlafgewohnheiten entstehen. Halten die Beschwerden an und beeinträchtigen sie deinen Alltag, solltest du die Ursachen ärztlich abklären lassen. Bei chronischer Insomnie ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) die empfohlene erste Behandlungsoption. Schlafhygiene und die Behandlung möglicher Grunderkrankungen können die Therapie ergänzen. Medizinisches Cannabis ist keine etablierte Standardtherapie, da seine Wirksamkeit bei Schlafstörungen bislang nicht ausreichend belegt ist. Eine Anwendung sollte deshalb nur nach individueller ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
FAQ zu Ein- und Durchschlafstörungen
Im Folgenden findest Du Antworten auf weitere Fragen zum Thema.
Was ist der Unterschied zwischen einer Einschlaf- und einer Durchschlafstörung?
Bei einer Einschlafstörung liegst du nach dem Zubettgehen regelmäßig lange wach. Bei einer Durchschlafstörung wachst du nachts auf und kannst nur schwer wieder einschlafen. Beide Beschwerden können gemeinsam auftreten und Teil einer Insomnie sein, wenn sie mit Unzufriedenheit über den Schlaf und Beeinträchtigungen am Tag verbunden sind.
Was sind die häufigsten Ursachen für Schlafstörungen?
Zu den häufigen Ursachen zählen Stress, Ängste, Depressionen, Schmerzen, Wechseljahresbeschwerden, unregelmäßige Schlafzeiten, Koffein, Alkohol, Medikamente sowie andere Schlafstörungen wie Schlafapnoe oder das Restless-Legs-Syndrom. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
Kann medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen helfen?
Einzelne Patient:innen können subjektiv von cannabinoidhaltigen Arzneimitteln profitieren, insbesondere wenn Schmerzen den Schlaf stören. Für die gezielte Behandlung einer primären Insomnie ist die Evidenz jedoch begrenzt und uneinheitlich. Medizinisches Cannabis ist daher keine allgemeine Standardtherapie für Schlafstörungen und erfordert eine individuelle ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung.
Wie schnell wirkt medizinisches Cannabis?
Der Wirkungseintritt hängt stark von der Darreichungsform, dem Präparat und individuellen Faktoren ab. Inhalative Formen wirken meist schneller, oral eingenommene Präparate verzögert und häufig länger. Da die Wirkung nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann, solltest du Dosierung und Einnahmeabstände niemals eigenständig verändern.
Was kann ich selbst für besseren Schlaf tun?
Regelmäßige Aufstehzeiten, Tageslicht am Morgen, Bewegung am Tag und eine ruhige, dunkle Schlafumgebung können den Schlaf unterstützen. Reduziere Koffein rechtzeitig, nutze Alkohol nicht als Schlafmittel und vermeide lange Wachphasen im Bett. Bei chronischer Insomnie reichen allgemeine Tipps oft nicht aus, dann ist eine KVT-I die bevorzugte Behandlung.
Wann sollte ich mit Schlafproblemen zu Ärzt:innen gehen?
Eine Abklärung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden regelmäßig auftreten, über mehrere Wochen anhalten oder deinen Alltag beeinträchtigen. Suche früher Hilfe bei Atemaussetzern, starker Tagesschläfrigkeit, ungewolltem Einschlafen, erheblicher psychischer Belastung oder einer möglichen Gefährdung im Straßenverkehr oder bei der Arbeit.

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Aktualisiert am 12.08.2026